03.04.2018 - Besuch von NRW-Verkehrsminister

Lärmschutz-Systeme aus Werl kommen auch in Düsseldorf an.

Werl - Der Verkehrsminister lieh dem Firmenchef sein Ohr. Und zwar wortwörtlich. Denn Hendrik Wüst kam der Aufforderung von Jörg Lehmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma „Hermanussen Lärmschutz-Systeme“, nach und lauschte unmittelbar an der roten Wand – um nichts zu hören. So, wie es sein soll. Ist doch das ausgestellte Stück auf dem Firmenhof genau dafür gedacht: Menschen vor Lärm zu schützen

Dazu hat sich die Werler Firma auf den Weg gemacht. Das Neue bei den Lärmschutzkomponenten für Straße und Bahn: die Rollform, die in der Herstellung weniger Energie verbraucht als die stranggepressten Profile. Das schone Ressourcen und spare Energie ein, sagt der Hermanussen-Chef.

Wüst hörte mit Interesse zu. „Wenn Sie dafür eine Bundesförderung bekommen, ist die Story des Produkts plausibel“, sagte der NRW-Verkehrsminister beim Firmenbesuch im Gewerbegebiet Maifeld. Ohne Frage seien Produkte mit einem möglichst geringen Energieverbrauch wünschenswert.

Lehmann erläuterte dem Gast aus Düsseldorf bei einem Rundgang, was alles produziert wird. 20 000 Tonnen Stahlprofile im Jahr mit 35 Mitarbeitern allein bei Hermanussen, zudem 15 Mitarbeiter der hinzuerworbenen Firma „Form-Tec Profiltechnik“ und 6 000 Tonnen Produktion. „Hier dreht sich was“, sagte der Firmenchef.

In die Lärmschutzkomponenten habe Hermanussen viel Zeit und Energie gesteckt. Und Geld. Bereits rund 700 000 Euro. Natürlich ist das Ziel. mit dem Lärmschutz-System Geld zu verdienen. Im dritten Quartal des Jahres werde man alles so weit hintereinander haben, dass die Firma mit der Neuerung durchstarten kann. Erste Aufträge gebe es. „Es fängt an, dass da Leben reinkommt“, sagte Lehmann. Lärmschutz sei enorm wichtig und ein Zukunftsprodukt, „jeder redet davon“. Mit der „ganz neuen Art der Herstellung“ will Hermanussen am Markt punkten. Bis zu 30 Prozent Energieersparnis bringe die Herstellung aus rollgeformten Profilen. „Wir können viel vom Markt abdecken, wenn das richtig ins Laufen kommt.“

Hinzu komme die Hoffnung auf Fotovoltaik an Autobahn-Böschungen als Thema, „das wir forcieren wollen.“ Dazu entwickelte Hermanussen gerade eine Konstruktion. „Und wir hoffen, dass wir da bald loslegen können.“

Leben in die ländlichen Regionen bringen – das ist auch Ziel der Landesregierung, sagte der Minister. Anders als die Vorgängerregierung sehe man die ländliche Region nicht mehr nur als „toter Winkel.“ Man wisse, wo in den vergangenen Jahrzehnten das Wachstum stattgefunden hat: „im ländlichen Raum.“ Erforderlich sei dafür aber eine ausreichende Infrastruktur, sei es über Schiene oder auf Straßen.

CDU-Landtagsabgeordneter Heinrich Frieling lobte die Region Südwestfalen als starken Wirtschaftsraum. „Jetzt gibt es nicht mehr nur die Fokussierung auf Großstädte“, sagte der Christdemokrat. Es gebe eine starke Verortung von Produktion und Gewerbe in Südwestfalen, die die Landesregierung würdige.

„Keine Betonköppe oder Asphalt-Junkies“

„Wir wollen, dass Straßen gebaut werden“, sagte Wüst. Dabei seien die Landesregierung „keine Betonköppe oder Asphalt-Junkies“. Nein, es gehe allein um den Zweck der Maßnahmen. Straßenbau sei in NRW viel zu lange verhindert worden. Und der Ruf nach Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs bringe nichts, „wenn man die Straßen verkommen lässt.“ Daher gelte es nun, „mit beiden Armen kräftig reinzugreifen und Defizite abzuarbeiten.“ Klar sei aber, dass allein mit warmen Worten keine Straßen entstehen. Eher sei dafür viel Geld nötig. Bis in das Jahr 2030 werde man über den Bundesverkehrsswegeplan in NRW 20 Milliarden Euro verbauen. Dazu müssten allerdings Kapazitäten aufgebaut werden, brauche es ein Mehr an Planern.

„Kapazitäten aufbauen“ – da stieß der Minister bei Jörg Lehmann auf offene Ohren: „Unsere auch, mit Lärmschutz“. Den Ball griff Wüst augenzwinkernd auf: „Seien Sie herzlich willkommen auf dem Anbietermarkt!“

Dabei wünschte der Minister der Werler Firma „viel Erfolg am Markt“. Und er hoffe, „dass wir uns bei der ein oder anderen Baufreigabe sehen.“ Denn das wäre für beide gut: Hermanussen wäre mit Lärmschutzmodulen beteiligt – und das Land hat wieder eine Maßnahme fertig. Das sei vorrangiges Ziel, sagte Wüst. „Wir haben viel zu bauen in NRW.“